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Lernen für die Jägerprüfung

Gerade im Moment frage ich mich was ich mir da eigentlich angetan habe. Die Bezeichnung „grünes Abitur“ für die Jägerprüfung fand ich zunächst lustig, da ich wusste wie lange ich für mein Abitur gelernt habe. Jetzt, nach dem ich den Aufwand etwas überblicke dürfte der Lernaufwand für die Jägerprüfung im Umfang tatsächlich dem Umfang meines zweijährigen Leistungskurses Biologie entsprechen.

Zum Glück sind die Themen so vielfältig wie es die Aspekte der Jagd sind. Wildtierkunde, Jagdbetrieb, Hundewesen, Land- und Forstwirtschaft,  Waffensachkunde, Schiessbetrieb, Kulturelle Aspekte, Tierkrankheiten, Kulturbau, Jägersprache usw.

Ein ganzer Strauß an Themen. Als Einstieg hatte ich mir das Standarwerk von Seibt duchgeblättert, dann gelesen und dann probiert zu lernen. Schnell stellte ich fest, dass damit zu viele Fragen offenblieben. Hier kommen die Heintges Lernhilfen ins Spiel. Diese widmen sich einem Thema gezielt mit einer für meinen Lerntyp hervorragenden didaktischen Methode. Ich habe diese bei meiner Jagdschule im Bundle zum Vorzugspreis erworben. Dafür bekommt man dann einen ansprechenden Karton welche knapp 8 Kilo wiegt. Wissen wiegt schwer. Ich lerne jetzt mit dem Seibt als Themenüberblick und als Vertiefung zum Thema die Heintges Lernhilfen. Dann mache ich die Prüfung auf meiner iPad-App und schreibe die Dinge die ich nicht wusste auf meinen Block und lokalisiere damit die Wissenslücken zum Nachlernen. Ich bin begeistert wie schnell mein Fortschritt bei der Waffensachkunde ist und besorgt wie schlecht ich mir merken kann wann welche Tierart in welchem Alter welches Geweih abwirft. Hoffe da aber auf Tipps von meinem Ausbilder.

Meine beiden Themen die ich gerade nicht mag sind eben Wildtierkunde und Hundewesen. Ich als Katzenmensch finde Hunde jetzt einfach nicht so spannend, obwohl sie zum Jagen in vielen Situationen unabdingbar oder mindestens sehr hilfreich  sind. Darüber hinaus geben Begeisterte für ein Thema natürlich immer Vollgas und nach Anlesen von Zeitschriften wie Jagd und Hund komme ich zum Schluss, dass alle Vorurteile die ich über Dackelzüchtervereine bis dato hatte scheinbar nur die Spitze des Eisbergs waren.

Meine Youtubehistorie hat sich vollkommen auf das Thema Jagd fokussiert und Kanäle wie Der Waldläufer oder Der eine Jäger geben viel Infos und bringen spannende Denkanstöße. Mein Favorit aber ist jagdundnatur.tv mit vielen sehr spannenden Beiträgen zum Wildtiermanagement. Hier glaube ich sieht man gut wo die Reise hingehen wird und wie sich die Arbeit des Jägers verändern wird.
Beim Auto schaue ich mir gerade Pickups an und so langsam schleichen sich die ersten Jagdsprache Wörter in den Wortschatz.

Lernen insgesamt geht dank der mittlerweile sehr vielen Medien gut. Smartphone und Tablet kombiniert mit Buch, Heft und eigenen Mitschriften. So kann ich im Flieger meist knapp 150 Fragen üben (ja nach Flugstrecke). Ich frage mich nur wie ich in 100 Minuten 120 Fragen beantworten soll. Auf jeden Fall sehr sportlich, da sind andere Bundesländer sehr viel weniger fordernd.

Aber hey wir lernen ja nicht für die Prüfung sondern fürs Leben.

 

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Erster Termin – Schießen

Heute war es soweit. Ich habe meinen Jagdtrainer und 3/4 der Kursteilnehmer kennengelernt. Und ich war sehr erleichtert. Der Trainer war ganz und gar nicht so unentspannt wie manche Ausbilder die ich in Youtube-Videos gesehen hatte. Meine Mitkursteilnehmer sind keine abgehobenen und arroganten sozial inkompetenten Schnösel welche die Jagd zur Netzwerkerweiterung nutzen möchten.
Also lauter ganz normale und nette Menschen. Zum Glück.

Als ich gegen 16:15h auf dem Schießplatz ankam war das Tor noch versperrt, OK, die abgemachte Zeit war 17 Uhr (ja, ich weiss, immer zu früh).  Also noch schnell beim gegenüberliegenden McDonalds einen Kaffee organisert und den wunderbaren Sonnenschein genossen. Um 16:30 wurde da Tor aufgeschlossen und die ersten weiteren Autos trafen ein. Also schnell ins eigene Auto gestiegen und hinterher. Auf dem Parkplatz des Schießstandes standen schon zwei Menschen neben ihren Autos, nach dem ersten Blick auf die grüne Kleidungsfarbe zu urteilen, ebenfalls Kursteilnehmer. Im Gespräch stellte sich heraus, dass die beiden Teilnehmer des Jahreskurses waren. Diese machen am gleichen Tag wie wir die Prüfung, haben dafür aber fast ein Jahr Ausbildung, also mehr als 3 Mal soviel Zeit wie wir. Im Gespräch war das auch sofort festzustellen. Es klang nach Jägersprache und die berichteten Erlebnisse von Drückjagdteilnahmen unterstrichen den vermuteteten Erfahrungsschatz. Ich werde mich anstrengen müssen in der kurzen Zeit zumindest beim Wissen nachzuziehen. Die Erfahrung wird bei mir erst nach der Prüfung das Erlernte festigen können. Aber das wusste ich schon vorher und dessen war mir bei der Wahl der Ausbildungsform auch voll bewusst. (Siehe Die richtige Jagdausbildung finden).

Nach und nach trudeltden die weiteren Teilnehmer ein und dann ging es los.

Zunächst gab es eine Einweisung mit Rundgang auf dem Schießplatz. Wir lernten von Horst unserer Standaufsicht, dass wir uns auf dem grössten Schießstand in Deutschland befinden und als Trivia, dass der aktuelle Tatort welcher am 2. April 2017 gezeigt wird auch Szenen hier gedreht hat.

Wir lernten die Sicherheitsvorschriften und bekamen Wurfscheiben, Kipp-Hasen, 100m Schießbahnen, laufenden Keiler, den Bunker (dort wo die Waffen sicher verwahrt werden können zwischen zwei Schießterminen) und sehr wichtig, das Restaurant kennen. Hier war ich sehr angenehm über die fairen Preise und die Freundlichkeit der Mitarbeiter überrascht. Eine Stimmung die sich quer über die meisten Personen die sich aus professionellen Gründen auf dem Platz befanden zuzutreffen schien. Gelöst, aber in Sicherheitsdingen sehr konkret. Eine Stimmung wie ich sie schon von des Schießständen aus den USA, vom Segeln und vom Tauchen kenne. Keine Angst haben, aber nie den Respekt vor der Materie verlieren und leichtsinnig werden.

Mit den 3 anderen Teilnehmer „meines“ Kurses durften ich die erste Station absolvieren. Kipp-Hase (ich schreibe das so, damit die Leser meines Blogs die richtige Aussprache und die Bedeutung leichter erfassen, ich war am Anfang immer beim Lesen über die Kipp-Phase gestolpert und hatte mich gefragt was das wohl sein soll 🙂 )

Ziel bei Kipp-Hase ist es eine Gruppe von 4 metallenen, nach hinten klappenden Metallscheiben, welche zuammen  das Profil eines Hasen haben, in der Bewegung zu treffen. Der Hase wird von links oder rechts in knapp 30 Meter (den genauen Abstand habe ich in der Aufregung gleich wieder vergessen) Entfernung am Schützen vorbei gefahren. Die Waffe welche geschossen wird ist eine Flinte. Diese verschießt Schrotladungen. Auf knapp 30 Meter ist die Schrotkugelwolke knapp unter einen Meter im Gesamt-Durchmesser, wobei zum Umkippen schon ein paar Kügelchen das Metall treffen müssen. Wir hatten zwei brandneue Blaser F3 dabei eine davon in Linkshänderausführung für einen meiner Mitschüler.

Gerhard zeigte uns vor dem Stand die Waffe und deren Handhabung, erklärte Sicherheitsverhalten und wies auf häufige Fehler hin. Besonders gut gefiel mir, dass auch der jagdliche Einsatz, sowie die vernünftige und die erlaubte Schussentfernung diskutiert wurden. Es geht beim Jagen ja nicht um das Treffen sondern um das schnelle Töten und das können zwei vollkommen verschiedene Dinge sein. Vor allem die Hinweise darauf lieber auf den Schuss zu verzichten als „schussgeil“ es zu versuchen fand ich sehr richtig. Ich hatte auf Youtube selbstgedrehte Videos von „Jägern“ gesehen, welche auf Drückjagden unter extrem ungünstigen Winkeln und schwierigem Schussfeld hinter dem Wild her schossen. Ich möchte gar nicht wissen was die Nachsucher da als Ergebnis gefunden haben.

Nach der Erklärung des Standes und schon fast natürlicher Festlegung der Aufgaben (Schiessen, Munition auspacken und 10 Schuss für den Schützen griffgünstig in einem Holzblock darpieren, Aufsammeln der verschossenen und ausgestossenen Hülsen nach dem Schiessen, usw. ) kam ich an die Reihe. Es wird mit einer Bock-Doppel-Flinte aus dem unteren Lauf geschossen.  Jagdliche Erwartungshaltung mit dem Schaft auf Hüfthöhe, Anschlag und zielen, Hase los, Vorhalten auf das erste Segment, Schuss, Rückschlag, Enttäuschung. OK, das ging ne ganze Ecke drüber. Waffe abkippen, wundern wie weit die Hülse dank der Ejektoren rausfliegt, neue Patrone aufnehmen und in den unteren Lauf laden. Warten bis der Hase zurück läuft.  Nächster Hase, tiefer zielen, Schuss. Vorbei. OK, ruhiger werden, tief durchatmen. Laden. Anschlag. Schuss. Das erste Segment fällt. Juhu. Erleichterung. Langsam fallen die einzelnen Ablaufschritte leichter, das Brechen der Waffe (Mechanismus entriegeln und die Waffe mit Kraft abknicken), das Zielen. Die Anspannung vor dem Schuss weicht einer leichten Vorfreude auf den Schuss.
Ich lerne welche Schwierigkeiten unser Linkshänder mit von rechts kommenden Hasen haben muss. Als meine Hasen von links komme (ich bin Rechtshänder) muss mein Körper mehr drehen und das Treffen wird anspruchsvoller.
Auf dem Schusstagebuch für heute werden für den Kipp-Hasen 2 Mal 7 Treffer von 10 möglichen Vorbeifahrten stehen. Ein gutes Ergebnis für das erste Mal. Nicht übermütig werden. Ich kenne das vom Golfen und vom Bowling spielen. Es gibt gute Tage und es gibt die meisten Tage und an diesen normalen Tagen werde ich mich fragen, ob ich jemals zuvor eine Flinte in der Hand hatte. Aber ich bin beruhigt. Ich habe niemanden erschossen und mich nicht verletzt. Die aufgeregte Unsicherheit ist einer aufgeregten positiven Anspannung gewichen.

Mir hat gefallen wie Gerhard uns trainiert hat. Erst mal machen lassen uns unsere Erfahrung machen lassen, dann sehr sparsam Tipps geben und immer auf Fragen mit dem Ansatz des „Verstehen lehrens“ antworten. Ich habe nicht das Gefühl ein unwissender Schüler zu sein, sondern fühle mich voll im Erfahrungsmodus, verinnerliche, lerne beim Machen.

Die nächste Station ist 100m sitzend auf die Rehbockscheibe. Hier wird mit einer Sauer 101 Büchse im Kaliber .308 Winchester geschossen. Ein Unterschied zu einigen Jagdkursanbietern die mit einem kleineren Kaliber (z.B. .223 Remington) schiessen um den Teilnehmern einen kleineren Rückstoss und sich selbst als Nebeneffekt geringere Kosten pro Teilnehmer (.223 Rem. Patronen kosten ungefähr die Hälfte von .308) zu verschaffen.
Ich finde es vernünftig und sinnvoll in einem Kaliber zu schiessen in welchem später wahrscheinlich meine erste eigene Büchse kaufen werden Kaliber . 223 Rem. ist in Deutschland wegen einer Auftreffenergie von meist unter 2kJ in 100 Meter Schussentfernung (E100) nicht für Hoch- und Schwarzwild erlaubt). Kaliber .308 Win. schaffte i.d.R. Eine E100 von mind. 2,5kJ und ist in Deutschland mittlerweile ein beliebtes Allroundkaliber.

Die Einweisung in den Schießstand und in die Waffe laufen wie gehabt professionell und unaufgeregt. Meine ersten 5 Schuss mit der Büchse sind an der Reihe. Ich nehme meine 5 Patronen und drappiere sie in einem Patronenhalter. Aufnahme das Gewehrs, Patrone in die Kammer einlegen, Verschluss schliessen, in Anschlag gehen, Blick durch das Zeiss-Zielfernrohr. Hoppla der Bock ist doch ziemlich klein und die Mitte des Fadenkreuzes zittert sich so über die Fläche. Ok, zur Ruhe kommen, Ausatmen, erneut in den Anschlag gehen, zielen und fliegen lassen (Abdrücken in Jägersprache). OK, das ist ein Rückstoss, nicht zu Vergleichen mit der Flinte mit der zahmen Übungsmunition. Durch das Zielfernrohr blicken wo der Anschuss war. Keine Ahnug, nicht zu erkennen. Also Verschluss öffnen, Hülse wird ausgeworfen, nächste Patrone einlegen, mental auf den Schuss vorbereiten und fliegen lassen. Trefferlage wieder nicht zu erkennen, aber bei dem schwindenden Licht und dem mittlerweile nur noch aus Aufklebern bestehenden Zielbereich auf der Scheibe wahrscheinlich nicht verwunderlich. Als nach dem letzten Schuss die Scheibe vor mir zum Stehen kommt sehe ich 4 Löcher in verteiler Streuung von 3 bis 10. Moment 4? Es waren doch 5 Schüssen. Oh Mann da habe ich am Anfang wohl noch nicht mal die Scheibe getroffen. Es klärt sich auf, als der Schütze rechts neben mir auf seiner Scheibe ein Loch zu viel findet. Ich hatte mich scheinbar so darauf konzentriert die richige Scheibe zu treffen, dass ich in meiner Aufregung am Anfang wohl dann genau die Nachbarscheibe ins Visier nahm. Passiert mir nie wieder. Habe ich gelernt.

Die zweite Reihe mit 5 Schüssen lege ich anders auf. Der Schaft liegt jetzt direkt auf dem Holz auf, meine linke Hand ruht auf meinem rechten Oberarm. Der Anschlag wird gleich sehr viel ruhiger, das Ergebnis mit 3 mal 10 und 2 mal 9 sehr viel besser. Dem Hinweis von Gehrhard, dass im jagdlichen Einsatz mit dieser Auflage die manchmal benötigte Flexibilität nicht gewährleistet sein muss ich unumwunden zustimmen. Ich denke es war mein Ehrgeiz, dass ich nach dem ersten Schussbild mir selbst beweisen wollte, dass ich das kann. Somit habe ich die Aussenbedingungen so verbessert, dass ich Erfolg hatte. Aber es ist wie immer im Leben:
Nur dass was unter suboptimalen Bedingungen gerlernt wird funktioniert auch unter optimalen Bedingungen. Umgekehrt ist das selten der Fall. Also das nächste Mal die Linke Hand unter den Schaft und Realität üben.

Gegen 21 Uhr trennen sich unsere Weg und ich mache mich zufrieden auf die 1,5 Stunden Rückreise. Nette Menschen kennengelernt, ganz vernünftig beim Schießen angestellt und Vorfreude auf den nächsten Termin im Herz. Was will ich mehr?

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Die richtige Jagdausbildung finden

Die Jagdausbildung in Deutschland resultiert in der sogenannten Jägerprüfung. Die Jägerprüfung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland im Umfang aber die Prüfungen werden untereinander anerkannt. So kann ich als z.B. in Bayern wohnsitzender auch in Baden-Würtemberg die Prüfung ablegen.

Die Prüfung selbst zerfällt in den meisten Bundesländern in einen Schiessteil, einen theoretischen Multiple-Choice Teil und einen praktischen Teil. Oft finden Theorie und Schiessprüfung an einem und der praktische Teil an einem zweiten Tag statt.

Soweit zum Ziel, jetzt zum Weg.

Es gibt zwei grosse Ausbildungs-Wege um zur Prüfung zugelassen zu werden, denn man benötigt in den meisten Bundesländern den Nachweis einer Ausbildung mit einem Mindeststundenanteil. Einerseits kann diese Ausbildung durch die Jagdverbände stattfinden, andererseits durch eine private Jagdschule.

Für mich erschien die private Jagdschule besser mit meinem Beruf und Privatleben vereinbar, da hier neben Schulungen von einem Jahr oder mehr  Dauer auch solche im mehrwöchigen Blockunterricht angeboten werden. Im Gegensatz dazu bieten die miesten Jagdverbände halbjährliche bis Jahresschulungen mit Terminen meist unter der Woche und am Wochenende. Dies ist mit meiner beruflichen Situation als Wochenendpendler nicht vereinbar, da ich unter der Woche in der Schweiz und am Wochenende in Deuschland bin. Somit war also klar, dass es eine Jagdschule werden sollte.

Bei den Jagdschulen gibt es unterschiedliche Konzepte. Die meisten gehen von der Idee aus, dass der Schüler zwei bis vier Wochen im Block beschult wird und dann zur Prüfung antritt. Das Extremste was ich gefunden habe waren 14 Tage inkl. Prüfung. Wenn ich davon ausgehe, dass die Prüfung 2 Tage dauert, dann sind das 12 Tage Kurs. In dieser Zeit alles prüfungsrelevante zu den einzelnen Themen zu festigen, denn in jeder Variante muss vorab zu Hause gelernt werde,  hielt ich für meine Fähigkeiten für zu sportlich. Die Variante mit 3 Wochen fand ich machbar, die vierwöchigen Varianten würden mich fast meinen kompletten Jahresurlaub kosten.
Ich war mir klar, dass solche Blöcke natürlich zwar das Wissen vermitteln können, aber die Anwendung des Wissens, also das Erlenernen, Begreifen und Verinnerlichen würde im Wesentlichen erst nach der Prüfung stattfinden können.

Bis ich bei meiner Suche auf eine Jagdschule traf die diese Dilemma thematisierte und mir auch eine Lösung versprach. Praktisch das Beste aus beiden Welten. 3 Monate Gesamtdauer in 4 Blöcken. 2 der Blöcke in den Ferienwochen von Ostern und Pfingsten jeweils von Samstag bis Samstag bringen mir z.B. bei insgesamt nur 8 Tagen Urlaub 12 Ausbildungstage, ein Block liegt über dem Himmelfahrts Brückentag bei 1 Tag Urlaub zu 4 Ausbildungstagen usw. So komme ich in den 3 Monaten auf insgesamt 22 Tage Ausbildung bei nur 9 Tagen Urlaub. Und es gibt genug Zeit zwischen den Blöcken das Erlernte zu festigen. Perfekt. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit ein Seminaren Dritter Anbieter wie einem Anschussseminar (zur Verbesserung des Erkennens der Trefferlage durch Anschussspuren) und einer Sachkundeschulung zum Thema Trichinenprobeentnahme.
Als Schiesstermine werden insgesamt 10 Termine in den Abendstunden angeboten. Davon liegt knapp die Hälfte in Blockzeiträumen mit einer prüfungsnahen Verdichtung der Termine.

Vor allem aber das Leitbild des Learning by Doing hat mich angesprochen: Es gibt im Winter die Möglichkeit an Drückjagden als Treiber teilzunehmen und beim Schiessen wird nicht auf das Prüfungsergebnis geübt, sondern in Jagdkalibern mit ordentlichem Rückstoss wie der .308 Win.

Somit hatte ich die für mich richtige Schule gefunden. Die jeweilgen Überlegungen sind sehr individuell. So hat ein Freund von mir mit seiner Frau den Kurs beim Jagdverband gemacht und war ebenso zufrieden, da diese Kurse mit seiner beruflichen und familiären Realität zusammenpassten.

 

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Warum will ich Jäger werden?

Tja, ne gute Frage.

Hätte mir jemand noch im Jahr 2013 gesagt, dass ich im Jahr 2017 einen Termin für meine Jägerprüfung haben werde, so hätte ich das entrüstet zurück gewiesen. Entrüstet deshalb, weil ich zu dieser Zeit ein im besten Fall neutrales Verhältnis zur Jagd hatte. Als Ornithologe und begeistertes Mitglied im Landesbund für Vogelschutz waren Jäger einerseits Verbündete beim Wanderfalkenschutz und gaben andererseits ein Feindbild beim Kormoranabschuss ab und erregten darüber hinaus bei mir ein massives Kopfschütteln bei den öffentlichen Aussagen der Jagdverbände zu Luchs und Wolf.

Der Mensch hat durch den beginnenden massiven Eingriff in Natur und Landschaft, beginnend mit der Sesshaftigkeit vor rund 6000 Jahren im Gleichgewicht der Natur massiv mitmischt und dieses verändert.  Meist mit einer im Rückblick befremdlichen Naivität, gestalten wir Artenvielfalt und Anzahl der Individuen. Dort wo der Mensch sich durch Bejagung selbst an das obere Ende der Nahrungskette gesetzt hat und alle anderen konkurrierenden  Predatoren wie Bär, Wolf oder Luchs entweder ausgerottet, oder so stark dezimiert hat, dass das Gleichgewicht massiv gestört ist muss durch erneuten Eingriff ausgeglichen werden, da sonst andere Folgeschäde auftreten.

Dazu ein kleines Beispiel: Der Fuchs überträgt die Tollwut. Tollwut ist für domestizierte Tiere und den Mensch eine sehr gefährliche meist tödliche Krankheit. Deshalb ist es merh als vernünftig die Tollwut zu bekmpfen. Zur Ausrottung der Tollwut wurden Füchse durch präparierte Köder geimpft. Mit Erfolg. Die Tollwut gilt in unseren Breiten als entweder beseitigt oder im Griff. Der Nachteil ist, dass der Tollwut auch keine Füchse mehr zum Opfer fallen und somit die Population steigt. Füchse sind Fleischfresser, die auch gerne mal Eier und Kücken von Bodenbrüter als Beute nehmen. In dieser Gleichung bedeutet mehr Füchse weniger Bodenbrüter wie Brachvogel oder Pfuhlschnepfe. Die Natur hatte die Tollwut als bestandregulierende Massnahme für den Fuchs entwickelt. Dieses natürliche Gleichgewicht ist verschoben. Hier bemühen sich Jäger das Gleichgewicht wieder hestzustellen. Gleiches gilt für neu eingeführte Arten wie Marderhund, Mink oder Waschbär die mangels natürlicher Feinde in der Population massiv ansteigen und nicht nur den Vogelbeständen stark zusetzen.

Als Hobby-Ornithologe bin ich also schon einmal für die Reduktion von Arten die Schäden in Vogelopulationen anrichten. Somit ist Jagd für mich in manchen Bereichen Artenschutz.

Doch nicht nur die Tollwut, auch die rasante Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest, die teils schweren Verkehrsunfälle mit oder wegen Schwarzwild und die um sich greifende und vor allem Hunde tödlich befallende Aujeszkysche Krankheit machen die Bestrebungen zur Reduktion der Anzahl der Wildschweine für mich nachvollziehbar. Wildschweine sind darüber hinaus Allesfresser die auch gerne mal ein Rehkitz oder Bodenbrüter mitnehmen.

Nur so am Rande : Die immer mal wieder zu lesenden Fälle von Wildschweinangriffen geben meines Erachtens ein sehr fokussiertes Bild der Gefährdung wieder und sind für mich kein Argument eine Bejagung zu forcieren. Die Gefählichkeit für den Menschen im Fall von rauschenden Keilern oder Bachen im Kessel steigt natürlich mit der steigenden Individuenanzahl aber insgesamt ist das Risiko für den Menschen vernachlässigbar gering.

Apropos Wildschwein, dieses schmeckt im Gegensatz zum Fuchs (OK, Fuchs habe ich nicht probiert, sondern nur gelesen, aber da war das Bild relativ eindeutig) besser und das führt mich zu meinem zweiten Punkt.

Jagd dient dem Erwerb von echter Bio-Nahrung. Ich hatte diesen Gedanken als ich mal wieder einen Tiertransporter auf der Autobahn überholte und die Schnauzen der armen Schweine aus den Beatmungsschlitzen sah. Das ist für mich kein Umgang mit der Kreatur. Stundenlanger Stress und dann das industriehafte Schlachten der Tiere durch Betäubung und Ausblutung.
Natürlich könnte ich Vegetarier werden und mich aus dieser Argumentation entfernen, aber ich esse gerne Fleisch und es gibt noch andere Arten der Tierbewirtschaftung. Aber selbst den ökologischen gehaltenen Tieren steht wegen der gesetzlichen Lage meist der letzte Weg zum zentralen und industriellen Schlachthof bevor.
Die Anzahl der Landwirte welche  ihre ruhenden und wiederkäuenden Tiere auf der Wiese durch Kopfschuss schnell und ohne Stress töten dürfen ist in Deutschland verschwindend gering.
Als Jäger habe ich alleine es in der Hand auf welche Art und Weise und wie schnell ein Tier stirbt. Wenn ich gut schieße, das Ziel richtig und gut mit dem richtigen Geschoss treffe, dann dauert der Sterbevorgang im Idealfall nur ein paar Millisekunden, im normalen Fall ein paar Minuten. Wenn ich mich schlecht verhalte, unbedingt Beute machen will und den Respekt und meine Verpflichtung einen schnellen Tod zu bringen vergesse, dann kann ich einem Tier durch meinen Fehler sehr langes Leid zufügen.
Es liegt an mir, ob ich es ertragen kann auch ohne Beute machen auf Jagd zu gehen.
Ich muss aber auch bereit sein ein durch mich verletztes und geflüchtetes Tier zu verfolgen und im schlechtesten aller Fälle mit einer Klinge (z.B. Der Saufeder) zu töten. Genau diese Vorstellung hat mich ein paar Tage beschäftigt. Bekommst Du es hin auf eine angeschossene, von Hunden gehaltene Sau zu springen und ihr die Klinge ins Herz zu stossen (nicht der Regelfall, aber ein mögliches Szenario). Erst als ich diese Frage klar mit Ja beantworten konnte habe ich mich zum Kurs angemeldet.
Das Fleisch kommt eben nicht aus dem Supermarkt, sondern wird durch das archaische Nehmen eines Lebens gewonnen.

Der dritte Punkt mutet beim ersten Lesen vielleicht etwas widersprüchlich an, aber Jagd ist eben manchmal auch Tierschutz.
Ich hatte mit meinem Auto in meinem Leben erst zwei Tierunfälle. Beim ersten ist mir auf eisglatter Strasse ein Reh seitlich in mein im Weg stillstehendes Auto geschlittert und nach beiderseitiger Verwunderung weitergelaufen, beim zweiten habe ich die Feldhasenpopulation der Insel Rügen um ein Exemplar dezimiert. Leider laufen solche Unfälle nicht immer so einfach. Oft ist das Tier schwer verletzt und schleppt sich davon. Manche verenden, manche bleiben lebenslang durch Verstümmelung und Schmerzen gezeichnet. Aber auch ohne menschliches Zutun ausgelöste Infektionen, Parasitenbefall, Erblindung oder Verletzung durch Balzkämpfe können beim Tier Leiden auslösen. Der Jäger nimmt diese in der Jägersprache „kranken“ Tiere aus der Population und erlöst sie so vom Leid. Etwas sehr ähnliches musste ich bei von meinen Katzen angebrachten Kaninchen, Vögeln, Maulwürfen und Mäusen machen, ich wusste also, dass ich das kann, auch wenn ich solche Momente nicht herbei sehnte.

Als vierten Beweggrund geht es mir um die Naturerfahrung. Ich hatte das Glück meine Kindheit und Jugend auf einem Dorf verbringen zu können. Lager im Wald bauen, Feuer machen und lange Märsche kenne ich schon lange. Ich geniese es jetzt beim Golf an der frischen Luft zu sein und beim Vogelbeobachten Berge zu besteigen oder mir Steinböcke beim Wandern anzusehen. Das Jagen verbindet diese Hobbies (na gut die Verbindung zum Golfen suche ich noch), gibt mir praktisch eine Klammer um all das. Hecken pflanzen, Hochsitze bauen, mit den Landwirten arrangieren, alleine im Wald die technische Ruhe geniessen. Das bringt die Jagd und gleichzeitig erfüllt sie ein Bedürfnis auf den untersten Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide: Nahrung beschaffen. Sich körperlich und geistig anzustrengen um etwas für mich und mein Selbst wichtiges zu tun. Ein Reh nicht nur zu töten, sondern es aufzubrechen, es aus der Decke zu schlagen und es zu zerwirken. Das Fleisch nachher auf dem Teller zu haben und sich erinnern was für ein wunderschönes Tier es war, dass es schnell starb und dass es nicht selbstverständlich ist Fleisch zu essen, sondern dass Verlust und Arbeit im Ergebnis steckt.
Darauf freue ich mich, da es mich auf mein eigenes Ökosystem zurückwirft. Keine Selbsterfahrung im indischen Ashram sondern Selbsterfahrung im heimischen Wald.
Ok, das klingt sehr esoterisch, aber in einer Welt in der Hippster so aussehen, also ob sie jeden Morgen einen Ster Holz vor dem Frührstück schlagen nur um dann in der Drogerie Bartöl zu kaufen, begegnet uns zwar einerseits das Wollen von archaischen Erfahrungen, aber wenn dann bitte in der Light-Version. Ich persönlich möchte halt die Full-Version.

Und last but not least finde ich den Wandel in der Jägerschaft sehr spannend. Wenn ich vor 20 Jahren als junger Umweltschutz-Student mich mit einem Jäger unterhielt, dann waren die Fronten klar. Hier ein verweichlichter Tierstreichler und dort ein trophäengeiler Ewiggestriger.
Ich gebe zu diese Position hat sich auf meiner Seite herausgewachsen und ich glaube wahrzunehmen, dass sich auch die Jägerschaft weiterentwickelt. Es kommt mit den steigenden Zahlen der Jäger auch frisches Blut und andere Denkweisen. Es kommt zu einem differenzierteren Auseinandersetzen mit den Themen. Eine meiner Lieblingszeitschriften zum Thema Jagd „Wilde Hunde“ hatte vor kurzem eine Homestory mit Tom Angelripper dem Sänger der Heavy-Metal Band Sodom. Mich hätte es fast vom Stuhl gehauen. Das Idol meiner Jugend ist seit seiner Jugend ein Waidmann. Die Bilder zeigen einen sehr zufriedenen Jäger weit weg vom stressigen Musikgeschäft. Ja, so bunt ist auch die Welt der „Grünröcke“, nur habe ich das Gefühl dass das Bunte in den letzten Jahren mehr auffällt. Ich hatte noch nie so viele gute Gespräche mit Jägern wie vor meinem endgültigen Entschluss selbst einer zu werden. Sehr vernünftige und abgeklärte Sichtweisen. Oft frei von Dogmen und sehr differenziert.

Tja und was soll ich sagen. Am Ende dieser Überlegenungen stand er Entschluss fest selbst ein Grünrock werden zu wollen (wobei mir als Fan der Serie „Firefly Serenity“ natürlich ein Brown Coat besser steht und ich auch braun als meine Farbe für Jagdkleidung auserkoren habe).

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Free Gustl Mollath – Wie Medien die Meinung beeinflussen

In diesen Tagen erinnere ich mich an die Zeit zurück als ich im Sozialkundeunterricht in meinem guten alten Graf-Münster-Gymnasium in Bayreuth saß und mir der Lehrer die Grundzüge unserer konstitutionellen Monarchie, pardon unserer Kanzlerinnen-Republik, äh der Bundesrepublik, jetzt passt es, versuchte zu vermitteln.

Ich habe gelernt, dass es die Exekutive gibt (Regierung, Staatsapparat), die Legislative (Bundestag und Bundesrat) und die Judikative (Gerichte). Und es gibt noch eine vierte Gewalt im Staat, die öffentlichen Medien.

Die Macht dieser öffentlichen Medien haben wir im Fall des Gustl Mollath eindrucksvoll gesehen. Es wurde mit einer beispielslosen Kampagne so lange aus allen Rohren gegen die scheinbar ungerechte Verwahrung von Herrn Mollath geschrieben, gesprochen und gesendet, bis auch der letzte Zweifel an der Schuld von Gustl Mollath ausgeräumt war.

Zugegeben, es gab im Fall des Gerichtsverfahrens gegen Herrn Mollath ein Verfahren und eine Vorgehensweise von Gutachtern und Gerichten welche, sollten die Vorwürfe zutreffen, eines Rechtsstaates unwürdig sind und in mir als Bürger dieses Staates die Hoffnung wecken, dass ich bitte nie in die Mühlen dieses Systems geraten möge.

Aber ob Gustl Mollath unschuldig ist oder nicht ist noch zu prüfen. Leider schossen die Medien über das Ziel hinaus den fragwürdigen ersten Prozess so lange zu geißeln, bis ein Wiederaufnahmeverfahren die einzige Möglichkeit gewesen wäre. Nein, Gustl Mollath wurde als unschuldig verurteilt hingestellt. Das ist etwas vollkommen anderes. Dass Gustl Mollath kein einfacher, angepasster Charakter ist, steht wohl außer Frage. Für Andersartigkeit sollte auch niemand ins Gefängnis oder eine psychatrische Klinik müssen. Aber ist er auch tatsächlich so unschuldig wie er immer behauptet? Denn das Gemeinwohl gefährdendes Verhalten ist eine andere Baustelle. Der Nordbayerische Kurier, allen voran dessen Chefredakteur Braun, berichteten sehr ausgewogen und stellten sich auch der in den Leserbriefen immer wieder hervorgebrachten harschen Kritik an der Berichterstattung des Kuriers. Hier wurde nämlich von Anfang an die Frage aufgeworfen, ob das in der Öffentlichkeit gesteuerte Bild zum Fall Gustl Mollath tatsächlich der Wahrheit entsprach. Man könnte Herrn Braun CSU-Justizministerin-nahe Parteilichkeit unterstellen, doch zeigt der Kurier seit dem Amtsantritt seines Chefredakteurs eine schonungslose Wahrheitspolitik gegen alles Parteien. Egal ob SPD oder CDU keine dieser Parteien dürfte gut auf Herrn Braun zu sprechen sein. Der Nordbayerische Kurier praktiziert eine Recherchepolitik und klärt auf. Wie ich mich freue das scheinbar längst beerdigte „Sapere Aude“ von Zeit zu Zeit in den Medien zu finden.

Im Fall Gustl Mollaths hatten die Medien natürlich auch extrem leichtes Spiel. Eine Justizministerin, die sagen wir mal im besten  Fall als unsympathisch beschrieben werden kann. Ein wahrscheinlich tatsächlicher Interessenskonflikt des Richters und ein sich scheinbar selbst schützender Justizapparat der propagiert dass nicht sein kann was nicht sein darf. Eigentlich ein Elfmeter für eine gute Kampagne.

Es bleibt zu hoffen, dass nach der Freilassung von Gustl Mollath die Debatte versachlicht wird, Herr Mollath einen fairen Prozess bekommt und der damalige Richter, sowie die damaligen Gutachter im Fall von Versäumnissen und Fehlern angemessene Sanktionen erfahren.

Just my 2 cents

Thor(sten)

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Kurt O. Wörl schreibt über die seiner Meinung nach fehlerhafte Sozialisierung unserer Teflon-Kanzlerin. Es macht Spaß der Argumentationskette zu folgen und zum Schluß war ich mir unschlüssig ob ich applaudieren oder ob der möglichen Tatsache bestürzt sein sollte. Ich habe dann einfach gelacht. Klarer Fall von Übersprungshandlung.

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Der Weg

Ein schöner Text der „Apokalyptischen Reiter“

Seltsam schreibt das Leben seine wundersamen Lieder
Unverhofft und wandelbar als des Schicksals Diener
Selig ist es wohl in heilig frohgemuter Stunde
Und nächsthin schlägt Bedrängnis in dein Dasein eine Wunde

Doch ich reich dir die Hand, um mit dir durch die Nacht zu gehen
Wünsch dir Hoffnung nur zu schenken, alle Wirren zu bestehen
Und ich reich dir die Hand um ein Stück Weg mit dir zu gehen
In der Gewissheit morgen schon das Licht zu sehen.

Als Treibgut I’m Strome des Seins weilen wir
Mal strandend, mal zieht’s uns aufs Meer
Doch den der wagt rettet oft das Glück
Am Kompromiss ist schon so mancher erstickt.
Doch ich reich dir die Hand, um mit dir durch die Nacht zu gehen
Wünsch dir Hoffnung nur zu schenken, alle Wirren zu bestehen
Und ich reich dir die Hand um ein Stück Weg mit dir zu gehen
In der Gewissheit morgen schon das Licht zu sehen.
Lass uns kühn durchs Leben wandeln
In Ehrfurcht hier und da mal stranden
Lass uns unser Licht verbinden und zu neuen Ufern finden

 

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Das Paradies

Und mal wieder ein paar Zeilen der Band „Die Apokalyptischen Reiter“:

Sag was du willst, tu was deinen Hunger stillt
Geh auf das Leben zu, lass es bloß nicht in Ruh
Greif nicht nach den Sternen, du hast noch viel zu lernen
Lebe den Augenblick mit etwas Geschick
Und lass es zu.

Denn das Paradies findest du nur in dir selbst.

Wache auf und sieh den König der sich nicht mit Gewalt bezwingt
Der mit vollen Zügen aus der eigenen Quelle trinkt
Das Seinige und alles Leben in täglicher Vermählung freudig besingt
Und dem das gelingt.

Denn das Paradies findest du nur in dir selbst.

Nicht mit Blut und nicht im Zorne sollst du deinen Thron erklimmen
Denn Hass schafft Schmach und Leiden und das Glück wird dir entrinnen
Suche deine Freunde, deinen Schatz, dein schönstes Bild
An dem du deine Augen weidest und findest was dein Herze stillt.

Denn das Paradies findest du nur in dir selbst.

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Ist jetzt die Zeit?

Wenn ich mir die Wahlen in Berlin ansehe, so stelle ich fest, dass  9% derjenigen die zur Wahlurne gegangen sind, lieber eine Partei unterstützen, welche nur ein einziges Thema hat, statt gar nicht zur Wahl zu gehen.

9% der Berliner Bürger wissen, dass nur ihr Votum die politische Landschaft verändert. Das sind 9% die die aktuellen Zustände in ihrer Heimatstadt kritisch sehen. Und für diese 9% gibt es scheinbar keine Partei. Denn nur so ist es zu erklären, dass eine als Spaßpartei angetretene Formation wie die Piraten sich plötzlich in politischer Verantwortung sieht. Diese Phänomen des Wählerprotestes ist nicht neu. Bereits 1996 trat die Regensburger Gruppe Alz(heimer), welche alle erdenklichen Wahlversprechen machte und den Bürgern glaubhaft versicherte diese bestimmt sofort nach der Wahl zu vergessen, erfolgreich bei der Stadtratswahl an. Aktionen wie „Freier Schweinsbraten für freie Bürger“ zeigten Wirkung. Allerdings mussten die Vertreter permanent gegen die etabilierten Berufpolitiker anrennen, weshalb beachtliche 12 Jahre später die Gruppe Alz auch freiwillig die Segel strich.

Scheinbar gibt es Bürger, die politisch interessiert sind, aber bei den etablierten Parteien keine geistige Heimat finden. Jeder Politiker wäre in unseren heutigen Zeiten der niedrigen Wahlbeteiligung dankbar 9% zusätzliche Wähler mobilisieren zu können. Mir gibt es die Hoffnung, dass es dort draußen vielleicht tatsächlich eine Gruppe von Menschen gibt, welche die Probleme unserer Gesellschaft sehen und die auch erkannt haben, dass die Lösung nicht durch am Machterhalt orientierte Berufsopportunisten erfolgen kann.

Dass in Staate etwas faul ist, das wusste schon Hamlet in Bezug auf Dänemark zu vermuten, doch dass jetzt gerade Dänemark den Deutschen ein Vorbild sein sollte, gibt mir zu denken. Nach dem Lesen des sehr interessanten Beitrags von Kurt O. Wörl kam mir der Gedanke, dass es doch genau jetzt die Zeit sein müsste für eine neue Partei.

Eine Partei, welche sich um die Werte des Menschen kümmert. Eine Partei, welche die bestehenden Umstände hinterfragt und ähnlich wie Gerhard Schröder dem Raubtierkapitalismus die Tore geöffnet hat, oder der blaublütige Plagiator mit einem herrschaftlichen Handstreich die Wehrpflicht abgeschafft hat, genau so sollte diese Partei mit kurzen und schnellen Aktionen den Sozialstaat wieder herstellen. Die Starken sollten die Schwachen tragen. Es soll sich lohnen zu arbeiten. Die Dogmen, wie das Märchen der Steuersenkung welche zu mehr Wirtschaftsleistung führt, müssen demontiert werden. Der US Bundesstaat Kaliformien hat es probiert. Die Steuern wurden kontinuierlich gesenkt. Doch es entstand nicht das kapitalistische Paradies des damit einhergehenden Wirtschaftsbooms. Kalifornien ist pleite! Der von der FDP in der Endlosschleife reproduzierte Treppenwitz der Steuersenkung als Wirtschaftsmotor hat sich aber noch nicht überall herumgesprochen. Denn im Prinzip sagt die FDP doch nur, „Wenn Du keine Ahnung hast wie Du Deine Schulden zahlen sollst, dann verringere doch zuerst mal Deine Einnahmen“.

Wir sind der Staat. Wir sind Nutznießer der Steuergelder. Wenn wir ÖPNV fahren, wenn wir ins Theater gehen, wenn wir Lebensmittel kaufen. All das wird mit unserern Steuergelder künstlich im Preis gesenkt, damit auch ärmere Menschen einen Zugang zu diesen Gütern erhalten. Wenn wir allerdings die Wohlhabenden der Gesellschaft aus dieser Rechnung exkludieren, so muss der ständig schrumpfende Mittelstand diejenigen, welche immer weniger haben, mittragen. Wenn Kurt O. Wörl fordert, dass die Bürger stolz darauf sein sollten, dass sie in diesem Land Steuern zahlen dürfen, weil sie es damit auch tragen, dann müssen wir uns aber auch erinnern, dass es viel zu viele Menschen gibt, die zunächst nur an sich denken. Es bleibt jedem Gutverdiener selbst überlassen, ob er in die private Krankenversicherung wechselt, oder im gesetzlichen System unter Umständen mehr für eine schlechtere Leistung zahlt. Das Prinzip des Homo Oeconomicus verbietet es eigentlich sozial zu sein. Denn dass der Mensch begreift, dass er langfristig mit seinem Egoismus die Gesellschaft, die Natur und den Planeten lebensfeindlicher macht halte ich für extrem unwahrscheinlich. Der Mensch von heute lebt im hier und jetzt und vor allem spaßbezogen. Verantwortung für das eigenen Handeln wird von der Mehrheit eher abgelehnt. Somit können wir davon ausgehen, dass es von selbst nicht besser wird. Es braucht einen Impuls. Ein Einwirken. Eine Gruppe Menschen, die etwas grundlegend verändern möchte. Eine Gruppe die nicht nur im Verborgenen mit persönlichem karitativen Engagement agiert, sondern eine Gruppe die in der Öffentlichkeit steht und sich vom Wählerwillen legitimieren lässt.

Eine neue Partei, die sich nur dem Humanismus unterwirft. Die dafür sorgt, dass ein Gemeinwesen geschaffen wird, welches diejenigen sanktioniert, die sich nicht beteiligen wollen. Die eine Wirtschaft gestaltet, die auf die wahren Unternehmer ausgerichtet ist und nicht auf die Manager von Riesenkonzernen. Eine Partei die unpopuläre Entscheidungen trifft wenn diese besser für die Gesellschaft sind. Eine Partei, die sich dem Menschen unterwirft und nicht dem Kapital.

Im Wahlprogramm sollten sich zunächst tiefgreifende Entscheidungen befinden, wie die Einführung einer verpflichtenden Sozial- und Rentenversicherung . Unter dem Strich wird damit für die breite Masse der Anteil der Sozialabgaben geringer. Jeder zahlt 20% von allem was als Einkommen gewertet werden kann als Abgabe an den Staat. Für die meisten von uns ist das weniger als die Hälte dessen was sie bisher zahlen. Für einige ist es aber extrem viel mehr als sie bisher zahlen. Nämlich für die 20% denen 80% des Vermögens  in Deutschland gehören. Keine Angst, die Partei will natürlich nicht, dass diese auch 80% des Vermögens rausrücken, 20% Sozialabgaben vom Einkommen dieser Personen ist absolut gesehen auch eine ganze Menge. Zum Vergleich, wenn eine Friseurin ein monatliches Bruttoeinkommen von 1.200 EUR hätte (und damit gehört sie in ihrer Branche zu den Gutverdienerinnnen), dann gäbe sie davon 240 EUR an den Staat ab. Ein Manager mit einem monatlichen Einkommen von 100.000 EUR gäbe demnach 20.000 EUR ab. Bis dato aber ergibt sich folgendes Bild. Die Friseurin gibt im Moment 250,50 EUR ab, der Manager  979,55 EUR. Das liegt daran, dass die sozialen Abgaben gedeckelt sind. Der Manager muss nie mehr als 979,55 EUR zahlen, auch wenn er das Zehnfache verdienen würde. Dem Sozialsystem entgehen damit also knapp 19.000 EUR monatlich. Oder anders gesagt der Sozialanteil von 76 Frisörinnen. Viel spannender ist aber ein Blick auf den tatsächlichen Anteil der Sozialabgaben am Einkommen. Die Frisörin gibt 20,8% Ihres Einkommens, der Manager 0,97%, also ungleich weniger. Somit trägt die Frisörin prozentual aus ihrem Einkommen mehr zum Sozialstaat bei als der Manager. Und es kommt noch besser. Wenn der Manager keine soziale Ader aufweist und sich aus dem Krankenkassensystem ganz legal befreit, dann zahlt er nur noch 547,25 EUR monatlich in die gesetzliche Rentenkasse. Das ist ihm dadurch möglich, dass ab einem monatlichen Einkommen von zur Zeit 3.700 EUR brutto im Fall der Krankenversicherung, der Weg in die vollkommen ICH-bezogene und nicht allgemeintragende private Versicherungswelt offensteht. Und die kann sich natürlich geringere Beiträge leisten, da sie die Beiträge an das Risiko des Versicherten anpasst und somit keine Einzelrisiken durch die Allgemeinheit getragen werden, wie es z.B. bei der gesetzlichen Krankenversicherung der Fall ist. Im gesetzlichen Versicherungssystem zahlt derjenige, der Diabetes hat genauso viel, wie derjenige, der kerngesund ist und jahrlang keinen Arzt braucht. So funktioniert ein soziales System. Die Starken tragen die Schwachen. Allerdings tragen bei uns die Schwachen die Schwächeren. Denn die Starken entziehen sich dem gesetzlichen System. Dadurch entgehen dem Sozialsystem extrem hohe Beiträge. Uns wird das dann als „leere Kassen bei den Krankenkassen“ verkauft. Tatsächlich sind nicht die Krankenkassen ursächlich daran Schuld, sondern das um die potenten Zahler beschnittene System.

Durch die Wirtschaftspolitik fallen zudem immer mehr Zahler aus der Mittelschicht aus, weil sie in schlechter bezahlte Arbeitsverhältnisse einsteigen müssen. Alleine der Anstieg der Arbeitnehmerüberlassung in den letzten Jahren deutet darauf hin, dass Unternehmen immer mehr bei den „Human Resources“ einsparen. Aber wie beim Homo oeconomicus ist auch hier die Kurzfristigkeit ein Teufelskreis. Denn Deutschland wird immer mehr exportabhängig je weniger Menschen durch das ihnen zur Verfügung stehende Geld die Binnennachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ankurbeln können. Der Verbaucher mit weniger Geld in der Tasche wird billigere Güter nachfragen, das erhöht den Kostendruck auf Unternehmen, mehr Personal wird entlassen und zu 30% weniger Gehalt über Personalleasing wieder eigestellt. Weniger Gehalt bedeutet noch weniger Kaufkraft usw. Wenn wir davon ausgehen, dass die Arbeitskräfte in China und Indien wenig komplexe Güter billiger herstellen können als wir, so ist die Frage, warum wir uns nicht auf komplexe Leistungen spezialisieren. Um das zu tun müssten wir die Bildung weiter ausbauen, damit uns der technologische Vorsprung die Arbeitplätze sichert. Allerdings spart die Regierung gerade bei der Bildung extrem ein. Selbst in Bayern wurde das bewährte dreigliedrige Schulsystem durch ein zweigliedriges abgelöst. Nicht etwa, weil sich die Politik dadurch eine bessere Ausbildung verspricht, sondern weil sich damit vor allem Geld sparen lässt. Somit wird die Entwicklung unsereres Bildungskapitals dem realen Kapital geopfert.

Ich könnte jetzt hier stundenlang weitere Ideen schreiben. Bevor dieser Artikel zu lang wird werde ich einen Reihe mit dem Titel „Wenn ich mir eine Regierung wünschen dürfte….“ mit meinen Gedanken zur idealen Partei füllen.

Denn der Zeitpunkt war nie besser!

Just my 2 cents

Thor(sten)

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London und der Terror der sozialen Netze – Fangt bei den Eltern an

Mit den Eindrücken der gestrigen Ausschreitungen im Stadtgebiet von London stellt sich die Frage nach dem Segen und Fluch der sozialen Netzwerke mit denen wenige Agitatoren die Massen steuern können.

Jüngst haben die Behörden von Los Angeles bewiesen, dass im Fall von Sperrungen der wichtigsten Verkehrsader soziale Kommunikationsmedien wie Facebook und Twitter dazu benutzt werden können um das gefürchtete Carmageddon zu verhindern. Dabei leitete alleine Facebook 6,6 Millionen Menschen aus dem Großraum Los Angeles beim Login auf eine Informationsseite der Verkehrsbehörde der Stadt. Hollwood-Stars wie Tom Hanks riefen ihre Twittergefolgschaft dazu auf zu Hause zu bleiben und scheinbar halfen diese Mittel der Massensteuerung, dann das gefürchtete Chaos blieb aus. Vor diesem Hintergrund der Steuerung von Menschenmassen ist es verständlich, dass Facebook laut Spiegel einen Wert von 65 Milliarden US-Dollar hat, weil es 600 Millionen Nutzer erreicht. Damit bietet es den Marketingabteilungen der Unternehmen die Möglichkeit neue Märkte ohne die sonst übliche langwierige Werbe- und PR-Maßnahmen streuverlustarm zu erschließen.

Im Fall der Revolutionen in Tunesien und Ägypten sehen wir wie zweischneidig diese Steuerungsfunktion sein kann. Mit unseren westlichen Augen betrachtet haben die sozialen Netzwerke dazu beigetragen, dass sich Menschen, die von der regierenden Schicht augenscheinlich unterdrückt wurden, sich virtuell organisierten und sich  in der realen Welt trafen und demonstrierten. Aus dem Blickwinkel der Sicherheitskräfte dieser Länder waren die sozialen Netzwerke ein Instrument des Terrors, welches unbedingt gestört werden musste. Im Fall von Facebook können durch einfache Eingriffe in die Struktur des Internets viele Webseiten einfach gesperrt werden. So haben Pakistan, welches nach dem Rücktritt der Militärführung langsam in den fundamentalen Islamismus zu rutschen scheint, und Bagladesch, wo die Scharia Grundlage des Rechtssystems ist,   den Zugang ihrer Bürger zu Facebook unterbunden, da dort unislamische Inhalte gezeigt werden (könnten). Somit liegt der Einschätzung der sozialen Netze bezüglich Gefahr und Nutzen wie bei so vielen Dingen im Auge des Betrachters.

Im Fall der gestrigen Ausschreitungen in London zeigt sich, dass mit Hilfe von sozialen Netzwerken auch scheinbare Unmutsäußerungen aus sozial schwächeren Schichten in westlichen Staaten organisiert werden können. Die gezeigten Bilder erinnern uns an eine Wiederholung der Vorkommnisse in den Pariser Banlieus und die Wirkmechanismen sind wohl die selben. Hier geht es nicht um eine Revolution, denn diese benötigt per Definition einen politischen Anlass, sondern um die Randale von frustrierten Jugendlichen. Wenn der Nordbayerische Kurier, eine der wenigen übriggebliebenen Bastionen des ordentlichen Journalismus, in seiner heutgen Ausgabe mutmasst, dass  die Arbeitslosenquote von 13% in den Londoner Stadtvierteln für die Ausschreitungen verantwortlich sei, so zwingt sich mir sofort die Gegenfrage auf, warum führen dann die 12,5% durchschnittlicher Arbeitslosigkeit in Rostock nicht zu den selben Zuständen. Ich denke es ist zu kurz gesprungen, wenn nur die Arbeitslosigkeit herangezogen wird. Die Gründe liegen sehr viel komplexer und dienen daher nicht als Begründung der einen oder anderen vereinfachenden  Parolendrescherei.

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